Frauen machen und verkaufen Kunst
Der Anspruch, Künstlerin zu sein, erfordert hohen Aufwand, wie jede kulturelle Aktivität. Die Künstlerin erforscht die Aufgabe und verschafft sich über alle Bedingungen ihrer Arbeit Klarheit: handwerkliche Grundlagen,
die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten,
Material, Geschichte, Traditionen,
bisherige Entwicklung,
Kosten und Nutzen,
die zu erzielenden Wirkungen,
Schönheit des Ergebnisses und
sinnliche Eindrücke und Assoziationen,
Kritik und Selbstkritik,
soziale Auswirkungen,
Gesetze, die mit der Arbeit verbunden sind,
Chancen, das Ergebnis zu verbessern,
hinter all diesen Bedingungen stehende philosophische Erwägungen,
neue Ausdrucksmöglichkeiten,
daraus folgend neue künstlerische Impulse.
All dieses setzt sie bestmöglich in ihrer Arbeit um.
Der Aufwand ist gewaltig und wenn Frauen Kunst machen, tragen sie eigentlich auf VIER Schultern: sie haben Familie und Haushalt zu versorgen, gehen einem Beruf zum Gelderwerb nach und widmen sich ihrer Kunst. Die Zeit für die Kunst knappsen sie sich von den anderen Bereichen ab, mit der Berufsarbeit finanzieren sie die Kosten ihrer Kunst. Es sind sogar Frauen verbürgt, die für ihre Kunstfinanzierung Sex-Arbeit leisten.
Frauen verlangen für ihre Kunst in der Regel zu wenig und viele wissen nicht, woher sie weitere Mittel bekommen sollen. Die öffentliche Hand spart und einer der größten Kunstförderer, die Bundesanstalt für Arbeit seligen Angedenkens, gibt es nicht mehr.
Die Preisgestaltung für Kunstwerke ist stets sehr schwierig und hat immer etwas von „den Preis habe ich gewürfelt!“ an sich. In eine Kalkulation fliessen sehr viele Variable ein:
auf wie viele Bilder in wie vielen Jahren soll ich den teuren Meisterkurs bei XY umlegen?
Für ein Bild von 1m² Größe brauche ich wie viel Zeit und Material?
Was zählt da alles zur Vorbereitung? Eigentlich müßte man die schlaflosen Nachtstunden, in denen man über das Kunstwerk nachdachte, ja auch einrechnen…
Bei (regionalen) Musikern gibt es aufgrund des relativ kleinen Marktes von Anbietern und Kunden recht leichte Marktübersicht. Man kennt einander. Schwarze Schafe unter den Kunden sind gleich verschrieen, Anbieter von unzureichender Leistung kicken sich unverzüglich selbst aus dem Markt. Bei bildenden Künstlern kann es dagegen leicht sein, dass man unerwünscht in die Fußstapfen von Michelangelo tritt: der Kunde bestellt, bedrängt den Künstler mit Sonderwünschen, treibt ihn zur eile an, bezahlt aber nicht oder n ur unvollständig.
Zur künstlerischen Tätigkeit gehört auch, speziell bei Musikern, dass sie als Unterrichtende Geld verdienen. Gleichzeitig sind aber wie überall, die Vergütungen für künstlerischen Unterricht weitgehend eingefroren. Die Kirchen haben die Honorare für Musiker sogar gekürzt, ein Inflationsausgleich findet nicht statt. Der Stundensatz bzw. die daraus erwachsende Kaufkraft sinkt kontinuierlich. Irgendwann kommt der Punkt, wo eine Putzstelle lukrativer ist. Für die schreibende Zunft ist dann der Arme Poet von Spitzweg das Wappenschild
Kunst gedeiht oft nur als Hobby und das hat unweigerlich Auswirkungen auf die Qualität der künstlerischen Produktions. Obendrein lassen Frauen sich oft mit zu wenig Honorar abspeisen. Um dem vorzubeugen, braucht man den fortlaufenden Kontakt mit anderen Frauen zum Erfahrungsaustausch, für Information und Organisation von Aktionen. Einigkeit macht stark und Veranstaltungen wie die Frauenkulturtage Roth sind einschliesslich der intensiven gemeinsamen Vorbereitung sehr wichtig und ertragreich.
In allen Berufsbereichen, ist der Erfahrungsaustausch sehr wichtig. In der Vergangenheit wurde den Frauen der Zugang zu beruflichen Organisationen strikt verwehrt. Informationen über aktuelle Entwicklungen, Rohstoffquellen, Geschäftsmöglichkeiten wurden Frauen auf diesem Wege effektiv vorenthalten. Manchmal dauert es Jahrhunderte, zB 460 Jahre, bis Frauen zu den geschlossenen Männerzirkeln Zutritt erhalten, wo solche Dinge ausgetauscht werden. Im Jahre 2004 nahm nach 13 Jahren Tätigkeit und voll berechtigter Mitgliedschaft in Haus Seefahrt die Frau Kapitänin auf großer Fahrt Barbara Schaffer als erste Frau an der Schaffermahlzeit der Bremer Kapitäne und Reeder teil.
Sie müssen also nur Geduld haben, meine Damen, das wird schon!