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die Dame da oben links…und die Dame in blau

Die Dame oben links war einmal meine Nachbarin: Die Winsbekin aus dem Codex Manesse, der “Großen Heidelberger Liederhandschrift”. http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0429  auf Seite 217r   Sie wohnte oben auf der Burg und ich unten am Fusse des Burghügels, dort wo früher die Kutscherkneipen und Pferdeställe waren. Zwischen meiner und ihrer Anwesenheit liegen bescheidene 750 Jahre, aber abgesehen von dieser unwesentlichen Kleinigkeit waren wir Nachbarinnen.

Sie verfasste ein Lehrgedicht für ihre heranwachsende Tochter, das im Codex Manesse niedergeschrieben ist. Der Windsbacher Heimatforscher Johann Frischeisen meint, dass dies eine eigenständige literarische Schöpfung ist, andere Autoren sagen, dass es einfach eine Paraphrase zum Vater-Sohn-Lehrgedicht “Der Winsbeke” sei. Natürlich glaube ich dem Herrn Frischeisen viel lieber, schon aus weiblicher Solidarität.

Die Dame in blau ist Christine de Pizan (1365-1430),  eine wissenschaftliche und politische Publizistin. Sie war wohl die erste Frau in Europa, die mit Schreiben den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie erwirtschaftete.  Bilder wie dieses nutzte sie als “Markenzeichen” .

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Ein politisches Gedicht über Volksbewirtschaftung

Das Bienlein

Ein Bienlein flog im Sonnenschein

Und sammelte den Honig ein.

Ein muntrer Heuschreck hat’s gefragt,

Warum es sich so schrecklich plagt.

Und ob es nicht gescheiter ist,

Wenn man den Honig selber frißt.

Das Bienlein aber wandte ein,

Es sei im Bienen-Sparverein,

Es trag den ganzen Sommer lang

Den Honig auf die Bienenbank

Und käm der böse Winter mal,

Leb es von Zins und Kapital.

Kurzum, man müsse sparsam sein!

Da trat der Bienenvater ein

Und nahm dem Volk zu Bienleins Schreck

Den ganzen Winterhonig weg.

Dem Bienlein blieb so viel zum Schluß,

Daß es nicht grad verhungern muß.

Moral:

Ein jeder Mensch, ob groß, ob klein,

Muß sparsam wie die Bienen sein,

Damit ein Bienenvater dann

Von Deinem Honig leben kann.

Wo Bienenväter nicht mehr Brauch,

Da tut’s der Landesvater auch,

Und wo’s kein Landesvater tat,

Da nimmt sich’s halt der Vater Staat.

Drum freue dich und spar mit Lust,

Sei hungrig, aber staatsbewußt,

und wer den Honig selber schleckt,

Ist Staatsfeind mit Moraldefekt!

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Sprachverwirrung

Sprachverwirrung, Benutzung von Begriffen mit unklarer oder verdrehter Bedeutung, um andere Leute zu verwirren, ist nichts Neues. Das gab es schon mal, zB zu Konfuzius’ Zeiten:

Konfuzius sagte:
III: Richtigstellung der Begriffe

[131] Dsï Lu sprach: »Der Fürst von We wartet auf den Meister, um die Regierung auszuüben. Was würde der Meister zuerst in Angriff nehmen?«

Der Meister sprach: »Sicherlich die Richtigstellung der Begriffe.«

Dsï Lu sprach: »Darum sollte es sich handeln? Da hat der Meister weit gefehlt! Warum denn deren Richtigstellung?« Der Meister sprach:

»Wie roh du bist, Yu!
Der Edle läßt das, was er nicht versteht, sozusagen beiseite.
Wenn die Begriffe nicht richtig sind, so stimmen die Worte nicht; stimmen die Worte nicht, so kommen die Werke nicht zustande;
kommen die Werke nicht zustande, so gedeiht Moral und Kunst nicht; gedeiht Moral und Kunst nicht, so treffen die Strafen nicht;
treffen die Strafen nicht, so weiß das Volk nicht, wohin Hand und Fuß setzen.

Darum sorge der Edle, daß er seine Begriffe unter allen Umständen zu Worte bringen kann und seine Worte unter allen Umständen zu Taten machen kann. Der Edle duldet nicht, daß in seinen Worten irgend etwas in Unordnung ist. Das ist es, worauf alles ankommt.«

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Frauen und Geld: Das Leben als Kunstwerk gestalten

Das Leben als Kunstwerk gestalten

Bleiben wir zum Abschluß bei der Seefahrt, denn aus unserer Gegend kommen erstaunlicherweise viele Seeleute.

Auch bei riesigen Schiffen gibt es ein kleines Bauteil, das die Richtung bestimmt: das Trimmruder. Und jede von uns kann sich entscheiden, ein gesellschaftliches Trimmruder zu sein.

Dazu gehört viel Arbeit an sich selbst,

sich bewußt zu bestimmten Dingen zu positionieren, und

sich dem kritischen Blick der Öffentlichkeit auszusetzen.

Forderungen stellen und begründen,

Entwicklungsarbeit an der eigenen Person leisten.

Die Unsicherheit ertragen lernen, wenn man sich öffentlich geäussert hat:

War das alles richtig? Habe ich mich blamiert? Was denken die jetzt von mir?

Persönliche und künstlerische Autonomie muß erarbeitet werden, das fällt niemand in den Schoß.

Jetzt sagen manche: Das kann ich aber nicht!

Dann sage ich: Das kannst Du nicht, weil Du es nicht tust.

Also mach etwas. Jede Kunst fängt klein an, auch die Kunst, mit Geld umzugehen.

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Frauen und Geld: Frauen machen und verkaufen Kunst

Frauen machen und verkaufen Kunst

Der Anspruch, Künstlerin zu sein, erfordert hohen Aufwand, wie jede kulturelle Aktivität. Die Künstlerin erforscht die Aufgabe und verschafft sich über alle Bedingungen ihrer Arbeit Klarheit: handwerkliche Grundlagen,

die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten,

Material, Geschichte, Traditionen,

bisherige Entwicklung,

Kosten und Nutzen,

die zu erzielenden Wirkungen,

Schönheit des Ergebnisses und

sinnliche Eindrücke und Assoziationen,

Kritik und Selbstkritik,

soziale Auswirkungen,

Gesetze, die mit der Arbeit verbunden sind,

Chancen, das Ergebnis zu verbessern,

hinter all diesen Bedingungen stehende philosophische Erwägungen,

neue Ausdrucksmöglichkeiten,

daraus folgend neue künstlerische Impulse.

All dieses setzt sie bestmöglich in ihrer Arbeit um.

Der Aufwand ist gewaltig und wenn Frauen Kunst machen, tragen sie eigentlich auf VIER Schultern: sie haben Familie und Haushalt zu versorgen, gehen einem Beruf zum Gelderwerb nach und widmen sich ihrer Kunst. Die Zeit für die Kunst knappsen sie sich von den anderen Bereichen ab, mit der Berufsarbeit finanzieren sie die Kosten ihrer Kunst. Es sind sogar Frauen verbürgt, die für ihre Kunstfinanzierung Sex-Arbeit leisten.

Frauen verlangen für ihre Kunst in der Regel zu wenig und viele wissen nicht, woher sie weitere Mittel bekommen sollen. Die öffentliche Hand spart und einer der größten Kunstförderer, die Bundesanstalt für Arbeit seligen Angedenkens, gibt es nicht mehr.

Die Preisgestaltung für Kunstwerke ist stets sehr schwierig und hat immer etwas von „den Preis habe ich gewürfelt!“ an sich. In eine Kalkulation fliessen sehr viele Variable ein:

auf wie viele Bilder in wie vielen Jahren soll ich den teuren Meisterkurs bei XY umlegen?

Für ein Bild von 1m² Größe brauche ich wie viel Zeit und Material?

Was zählt da alles zur Vorbereitung? Eigentlich müßte man die schlaflosen Nachtstunden, in denen man über das Kunstwerk nachdachte, ja auch einrechnen…

Bei (regionalen) Musikern gibt es aufgrund des relativ kleinen Marktes von Anbietern und Kunden recht leichte Marktübersicht. Man kennt einander. Schwarze Schafe unter den Kunden sind gleich verschrieen, Anbieter von unzureichender Leistung kicken sich unverzüglich selbst aus dem Markt. Bei bildenden Künstlern kann es dagegen leicht sein, dass man unerwünscht in die Fußstapfen von Michelangelo tritt: der Kunde bestellt, bedrängt den Künstler mit Sonderwünschen, treibt ihn zur eile an, bezahlt aber nicht oder n ur unvollständig.

Zur künstlerischen Tätigkeit gehört auch, speziell bei Musikern, dass sie als Unterrichtende Geld verdienen. Gleichzeitig sind aber wie überall, die Vergütungen für künstlerischen Unterricht weitgehend eingefroren. Die Kirchen haben die Honorare für Musiker sogar gekürzt, ein Inflationsausgleich findet nicht statt. Der Stundensatz bzw. die daraus erwachsende Kaufkraft sinkt kontinuierlich. Irgendwann kommt der Punkt, wo eine Putzstelle lukrativer ist. Für die schreibende Zunft ist dann der Arme Poet von Spitzweg das Wappenschild

Kunst gedeiht oft nur als Hobby und das hat unweigerlich Auswirkungen auf die Qualität der künstlerischen Produktions. Obendrein lassen Frauen sich oft mit zu wenig Honorar abspeisen. Um dem vorzubeugen, braucht man den fortlaufenden Kontakt mit anderen Frauen zum Erfahrungsaustausch, für Information und Organisation von Aktionen. Einigkeit macht stark und Veranstaltungen wie die Frauenkulturtage Roth sind einschliesslich der intensiven gemeinsamen Vorbereitung sehr wichtig und ertragreich.

In allen Berufsbereichen, ist der Erfahrungsaustausch sehr wichtig. In der Vergangenheit wurde den Frauen der Zugang zu beruflichen Organisationen strikt verwehrt. Informationen über aktuelle Entwicklungen, Rohstoffquellen, Geschäftsmöglichkeiten wurden Frauen auf diesem Wege effektiv vorenthalten. Manchmal dauert es Jahrhunderte, zB 460 Jahre, bis Frauen zu den geschlossenen Männerzirkeln Zutritt erhalten, wo solche Dinge ausgetauscht werden. Im Jahre 2004 nahm nach 13 Jahren Tätigkeit und voll berechtigter Mitgliedschaft in Haus Seefahrt die Frau Kapitänin auf großer Fahrt Barbara Schaffer als erste Frau an der Schaffermahlzeit der Bremer Kapitäne und Reeder teil.

Sie müssen also nur Geduld haben, meine Damen, das wird schon!

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Frauen und Geld: Hausarbeit

Hausarbeit

Ist an uns Frauen angewachsen. Das heisst auch, dass es jeder können muß aber nirgendwo richtig lernt. Es gibt keine Haushaltsschule für alle Menschen. Es gibt zwar die Forschungs- und Lehrdisziplin der Oecotrophologie, die in Universitäten und Fachhochschulen gelehrt wird, aber deren Ergebnisse werden den Hausfrauen nicht direkt zugänglich gemacht, sondern erst, nachdem sie durch den Filter von Industrie, Marketing und Werbung gegangen sind. Das führt dazu, dass das handwerkliche und Wissens-Niveau in diesem Bereich nicht wirklich steigt. Die Tätigkeit als Hausmädchen, bei der man früher einiges lernen konnte, ist ersatzlos entfallen.

Hausfrauen verstehen heute weniger von dieser Arbeit, als ihre Ahnfrauen. Haushaltstechnik und Haushalts-Chemie sind in Form von Markennamen geläufig.

Man macht alles so, wie es Mutter und Oma schon gemacht haben. Entwicklung findet nicht statt, ausser beim Anspruchsniveau an das Ergebnis. Die Arbeitszeit im Haushalt wurde trotz vieler neuer Geräte immer länger: 1965 waren es bei Frauen 31 Stunden pro Woche, 2000 35 Stunden, bei Männern waren es 3 Stunden und heute sind es bei den Männern 17 Stunden in der Woche. Es ist wie bei den Autos: was früher ein Kleinwagen war, nennt sich heute immer noch so, ist aber nach Ausmassen und Leistung ein Mittelklassewagen

Ein besonderes Kapitel war zwischen 1850 und 1950 die Übersterblichkeit der Frauen durch die Überarbeitung, die den Frauen aufgebürdet wurde. Ein durchaus berechtigter Hygienewahn kam auf. Die Frauen sollten alles stets blinkend sauber putzen, anderenfalls wären sie am häufig auftretenden frühen Tod ihrer Familienmitglieder selbst schuld. Also wurde geputzt und gewienert, was das Putzzeug hielt. Die Arbeitstage wurden noch länger, die Stunden der Erholung und des Schlafes noch weniger. Die technischen Voraussetzungen für eine hygienisch einwandfreie Haushaltsführung waren aber noch gar nicht vorhanden: kein fliessendes Wasser im Haus, keine effektiven Reinigungsmittel und Geräte. Keine wirklich trockenen und warmen Häuser mit ausreichend Wohnfläche pro Person und WC mit Kanalisation und Handwaschbecken. Stattdessen mußten die Frauen oft ihre kranken Kinder pflegen, die an schweren Infektionskrankheiten litten und die Mutter dabei ansteckten. Die entkräftete Frau starb dann oft und hinterliess mutterlose Kinder, die zu Verwandten oder Fremdnen als Pflegekinder gegeben wurden. Erst die Choleraepidemie von 1892 in Hamburg mit fast 9000 Toten sorgte dafür, dass die sachlichen Voraussetzungen für ein gesudnes und langes Leben bereitgestellt wurden.

Unter den altmodischen Bedingungen den Qualitätsstandard einer städtischen Hauswirtschaft zu erreichen ist eine große Kunst. Es ist ungefähr so, wie wir es heute in einem Zelt lebend auf dem Campingplatz erleben könnten. Mit einer zentralen Waschstelle und Plumpsklo irgendwo weit weg.

Solche Zeiten könnten auch in unseren Städten recht bald wiederkommen: In Berlin wird Menschen, die die durch Privatisierung hohen Wasserpreise nicht bezahlen können, einfach das Wasser abgedreht. Man kann sich die praktischen Folgen leicht vorstellen.

Dabei denkt sicher jeder hier im Raum, dass die Versorgung mit frischem Wasser ein Menschenrecht ist.

Da ist dann die Kunst der Frauen, mit Geld umzugehen wieder gefragt als die Kunst, zu überleben.

Schöne neue Welt.

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